Ein Reisetagebuch schreiben. Warum es sich lohnt und wie man am besten anfängt

Seit meiner Teenager-Zeit (die zugegebenermaßen schon ziemlich lange zurückliegt) habe ich auf Reisen immer wieder Tagebuch geführt. Mal mehr, mal weniger. Anfangs waren das ein paar Stichpunkte mit den Ereignissen des Tages, später kamen Eindrücke hinzu, die mich bewegt haben oder besondere Entdeckungen. Manchmal sind sogar kleine Skizzen oder Kritzeleien ins Reisetagebuch gewandert .

Wenn ich später (gern bei Umzügen oder Aufräumaktionen) auf solche alten Notizen gestoßen bin, war das immer ein wenig wie beim Heben eines Schatzes. Oft war ich amüsiert über mein jüngeres Ich und die Dinge, die mich damals beeindruckt haben. Manchmal erinnerte ich mich an Momente und Erlebnisse, die ich schon lange vergessen hatte. Und manchmal kam es sogar vor, dass der Reiseort vor meinem inneren Auge wieder lebendig wurde und ich kurz das Gefühl hatte, wieder dort zu sein. Ein spontaner Miniurlaub – wenn auch nur in Gedanken.

Warum sich ein Reisetagebuch lohnt

Zugegeben, ein Reisetagebuch zu führen, braucht auch ein bisschen Zeit. Nicht viel, aber ein paar Minuten sollte man sich (fast) jeden Tag dafür nehmen. So viel Aufwand im Urlaub, lohnt sich das? Definitiv.

  • Es ist das beste Souvenir, das man mitbringen kann.
  • Es hilft dabei, Erlebnisse und Eindrücke gedanklich zu sortieren und in Erinnerung zu behalten.
  • Man hat einen Ort für die ganzen Schnipsel, Tickets und Papierchen, die sonst immer irgendwo herumfliegen.
  • Man gibt sich selbst die Chance, die Reise bzw. besondere Orte später beim Lesen noch einmal zu erleben.
  • Außerdem lassen sich die Urlaubsfotos viel besser zuordnen, wenn man nachschauen kann, wann was wo war :-)
  • Man erlebt viele Orte bewusster, weil man Eindrück sammelt, die sich später zu Papier bringen lassen.
  • Es macht einfach Spaß!

Reisetagebuch Collage

Ein kleines Journaling-Kit packen

Nach meinen über die Jahre verteilten Reisetagebuch-Experimente weiß ich mittlerweile, was mich im Urlaub bei Schreiblaune hält und welche Materialien ich unterwegs brauche. Für unsere Südengland-Tour habe ich mich strategisch vorbereitet, ein Mäppchen mit den nötigen Utensilien gepackt und mir ein Wunsch-Tagebuch gebunden.

Reisetagebuch Material für unterwegs_klein

Das sollte man unterwegs dabeihaben:

  • Kugelschreiber
  • Bleistift und Radiergummi
  • kleine Schere
  • Klebestift
  • Farben (ein paar Buntstifte oder Wasserfarben)
  • ein Reisetagebuch natürlich (dieses hier gibt es z.B. auch in meinem Etsy-Shop)

 

Schreib-Tipps

Mein Tagebuch hat mich zwei Wochen lang begleitet und steckt nun voller Erinnerungen. Jeden Abend habe ich mich einen Moment hingesetzt, auf den Tag zurückgeblickt und die Dinge festgehalten, die ich besonders/schön/erinnerungswürdig fand. Das muss übrigens nicht zwangsweise in klassischer Tagebuchtextform passieren. Das Tolle am eigenen Reisejournal: dein Tagebuch – deine Regeln.

Vielleicht bist du eigentlich kein Tagebuchschreiber und fragst dich, was du bloß in deinem Journal festhalten sollst? Dann hab ich hier ein paar Anregungen, mit denen der Spaß auch im Laufe der Zeit nicht auf der Strecke bleibt.

Aufgeschnapptes

Dialoge, lustige Schilder, Sprüche, Running-Gags. Schnapp was auf und notier es – du kannst es sogar lettern oder besonders gestalten.
Einer unserer Dauersprüche war z.B. „Don’t feed the seaguls“ (Keine Möwen füttern). Einmal stand nämlich jemand fast genau neben solch einem Schild – und fütterte Möwen mit Brot. Und auch sonst hatten wir ein paar besondere Möwen-Situationen. Immer, wenn ich jetzt eine sehe, muss ich an diesen Satz denken.

Geheimtipps

Dieses eine Café mit dem besten Schokokuchen der Welt oder der Tearoom, in dem man ein wunderbares und günstiges Lunch bekommt, eine versteckte Bucht oder Aussicht. Schreib deine Geheimtipps auf.

Schnipsel, Schneiden, Kleben

Im Laufe einer Reise sammeln sich bei mir immer viele Papier-Souvenirs an – Eintrittskarten, Tütchen, Etiketten, Broschüren. Statt all das zu sammeln und zu Hause nicht mehr zu wissen, was ich damit eigentlich anfangen soll, klebe ich solche Erinnerungen direkt im Urlaub ein.  Ich schneide aus, schneide zurecht und habe alles an einer Stelle.

Reisetagebuch schreiben_kleben

Skizzen und Farben

Du kannst nicht malen? Völlig egal. Manchmal fängt man Stimmungen allein durch Farben ein. Trau dich und probier was aus. Du kannst ja einfach mit einigen  Miniskizzen oder ein paar Farbklecksen auf der Seite beginnen.

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Datieren

Du kannst chronologisch in dein Tagebuch schreiben oder frei nach Stimmung und Laune. Schreib nur an deine Einträge ein Datum und – wenn du viel herumreist – den Ort. So behältst du auch später den Überblick.

Stimmungen festhalten

Diese Urlaubsmomente, in denen sich alles irgendwie perfekt anfühlt. Fang sie ein, beschreib sie. Nutze alle Sinne dafür: die Sonne auf der Haut, der Geruch nach Meerwasser oder Pinienwäldern, das Rauschen der Wellen, der Geschmack der Lieblingsspezialität … je konkreter, desto besser.

Mut zur Lücke

Du musst nicht alles festhalten oder gar systematisch auflisten. Weniger ist mehr. Konzentrier dich auf Momente und Erlebnisse, an die du dich erinnern möchtest und lass Unwichtiges weg. Wenn du keinen Spaß daran hast, es aufzuschreiben, dann muss es auch nicht in dein Reisejournal.

Dein Buch – deine Regeln!

Man kann ein persönliches Tagebuch nicht richtig oder falsch schreiben. Die Hauptsache ist, dass es dir beim Schreiben und Gestalten Freude bereitet und hinterher noch einmal, wenn du in deinen Erinnerungen blätterst!
Also keine falschen Hemmungen. Mach mit deinem Buch, worauf du Lust hast.

Reisejournal Erinnerungen schaffen

Bist du selbst schon lange leidenschaftlicher Tagebuchschreiber? Oder hast Lust bekommen, es einfach mal auszuprobieren?

Sommerliche Grüße und eine schöne Urlaubszeit

Anne

 

12 von 12 im Juli 2017

Jawoll, ich hab’s mal wieder geschafft. 12. Juli – 12 Fotos. Tagsüber war ich so mit Arbeiten beschäftigt, dass ich das Fotografieren völlig vergessen habe, aber trotzdem sind zwölf Momentaufnahmen zusammengekommen.

Morgens wurde ich von Starkregen geweckt, der aufs Dach trommelte. An der Gesamtwetterlage änderte sich auch während des Frühstücks nicht viel.
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Prüfender Blick auf den Balkon. Es regnet.
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Kann man nichts machen. Durch sintflutartige Niederschläge bis ins Büro gefahren. Dort ist die Kaffeemaschine auf meiner Etage defekt. Ich muss also bis ganz nach oben zur nächsten. Da gerade neuer Estrich auf den Treppenabsätzen verlegt wird, ist sportliche Leistung gefragt. Ohne Kaffee vorab.
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Und nein, der Fußabdruck im Estrich stammt nicht von mir. Der Aufstieg wird belohnt mit einer Tasse Cappuccino. Oben steht nämlich die gute Kaffeemaschine.
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Bis zum Mittag vergeht die Zeit wie im Flug. Kurzer Mittagsspaziergang zur Post. Überraschung: Es regnet.
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Im Regal hinter mir steht übrigens ganzjährig eine Weihnachtskrippe. Das hat sich so ergeben :-) Aber da ich auch fast das ganze Jahr u.a. mit Weihnachtstiteln in verschiedensten Stadien beschäftigt bin, ist das okay, denke ich.
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Auch der Nachmittag vergeht schneller, als mir lieb ist.
Als ich nach Hause fahre, schüttet es wieder wie aus Eimern. Da lassen sogar die Hortensien ihre Köpfe hängen.
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Als sommerliche Gegenmaßnahme hänge ich ein kleines Deko-Boot auf.
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Während ich anschließend in der Küche beschäftigt bin, bekomme ich Besuch von der Nachbarkatze. Sie guckt nur so unschuldig. Eigentlich zieht sie die Nummer „Ich streiche jetzt mit meinem nassen Fell so lange an der Scheibe entlang, bis alles voller Haare und Schlieren ist“ ab. Fensterputzen ist also im wahrsten Sinne des Wortes für die Katz.

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Abendessen ist fertig. Glaubt man nicht, ist aber eine prima Kombi: Beluga Linsen mit Blaubeeren als lauwarmer Salat.
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Weil ich brav aufgegessen habe, kommt tatsächlich die Sonne raus!
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Noch schnell eine Bestellung verpacken, dann ist endgültig Feierabend.
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Jetzt klicke ich noch bei Frau Kännchen vorbei, die wieder alle 12-von-12-Bilder sammelt.

Vielen Dank fürs Vorbeischauen!

Anne

 

 

 

Melonenverrückt: von Slushies und anderen Sommergenüssen

Melonen machen Sommerlaune. Nun ist der Sommer bisher ja ein bisschen sprunghaft. Mal heiß, mal schwül, mal kühl, mal nass. Darauf kann ich aber leider keine Rücksicht nehmen. Sommer ist, wenn ich Sommer sag ;-). Und deswegen machen ich jetzt knallhart Sommersachen – wie Melone essen.

Vielleicht liegt die spontane Melonen-Sommerstimmung an Kindheitserinnerungen (wobei ich als Kind gar nicht so oft Wassermelone gegessen habe). Dieses Gefühl, sich von einem Ohr bis zum anderen in einer Scheibe Wassermelone zu vergraben und klebrig aber glücklich in die Sonne zu blinzeln, ist mir noch sehr lebhaft in Erinnerung. Allerdings habe ich es mittlerweile drauf, Melone zu essen, ohne mich dabei komplett einzusauen. Erwachsenseins hat definitiv seine Vorteile. Und hätte mir jemand als Kind Melonenstücke auf ein Eishölzchen gesteckt, hätte ich das vielleicht schon früher gekonnt.

Wenn man aber den ganzen Sommer lang Melone isst, wird es möglicherweise irgendwann eintönig. Da muss mal ein bisschen Abwechslung her.
Sorbet hatte ich mir deshalb vorgenommen. Melone und Eis – mehr Sommer geht ja wohl nicht. Aber auf dem Weg zum Melonensorbet bin ich auf eine noch bessere Sache gestoßen: Melonen-Slushy. Oder geeiste Smoothies (klingt gesünder und das ist es ja auch).

verrückt nach Melone_klein

Da die Sorbetmasse recht flüssig war, hat es lange gedauert, bis sie wirklich Eiskonsistenz bekam. Aber der Zwischenzustand – halb flüssig, halb gefroren – hat mich so angelacht, dass ich mich spontan damit in die Sonne gesetzt habe. Und was soll ich sagen: Ich war begeistert. Die Slushy-Version mag ich sogar lieber als das feste Sorbet, deswegen gibt es für euch das Rezept.

Melonen Slushy_klein

Melonen-Slushy (für ca. 4 Gläser)

1/2 kleine Wassermelone, kernarm
1/2 Gallia- oder Honigmelone
100 g Himbeeren
1 Limette
1 EL Honig
1 EL Puderzucker
1 Zweig Minze

Melonenfleisch in grobe Stücke schneiden, Limette auspressen. Limettensaft mit Himbeeren, Honig und Puderzucker zur Melone geben und alles pürieren.
Die Masse für ca. 15 min in die Eismaschine geben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist (je nach Eismaschine vorher noch eine Weile im Kühlschrank parken).
1-2 Minzblättchen ins Glas geben, mit Melonenslushy auffüllen und mit Strohhalm in der Sonne genießen. Fast besser als Eiskaffee (und ich liebe Kaffee in allen Variationen) und definitiv gesünder und kalorienärmer.

Wer Sorbet möchte, lässt die Masse einfach länger in der Eismaschine und/oder packt sie anschließend noch in die Gefriere.
Ohne Eismaschine müsste es auch funktinionieren, ich habe nur nicht ausprobiert, wie lange die Masse in der Gefriertruhe bleiben muss, um die richtige Konsistenz zu bekommen. Auf alle Fälle zwischendurch immer durchrühren! Wenn jemand Erfahrungswerte gesammelt hat, lasst es mich wissen.

Noch mehr Melone

Die lustigen Melonen-Lollies hätte ich als Kind geliebt. Einfach mit einem spitzen Messer einen Schlitz in die Schale schneiden und auf Bastelhölzchen (gibt es im Bastelbedarf) spießen.

Bücher und Melonensticks_klein

Und da ich mich irgendwie ins Thema reingesteigert hatte, habe ich gleich noch Überzugspapier für Notizhefte und Leporellos bedruckt. Die sind gerade in meinen Etsy-Shop gewandert.

 

Auf einen fröhlichen Melonen-Sommer!

Anne

 

 

 

 

Südengland. Siebeneinhalb Argumente für eine Reise auf die Insel

Im Juni habe ich hier durch Abwesenheit geglänzt. Die Blogpause war eigentlich gar nicht geplant, hat sich langsam eingeschlichten und dann hab ich sie einfach laufen lassen. Aus Gründen. Ich hatte nämlich Urlaub und war auf Reisen. Jetzt bin ich wieder da mit einer Speicherkarte voller Fotos und einem Kopf voller Eindrücke.

Südengland stand schon lange auf der imaginären Reiseplanungsliste und dieses Jahr haben wir Nägel mit Köpfen gemacht. Zwei Wochen, einmal quer über die Insel. Es war toll. Und das hat nur ein ganz kleines bisschen mit Rosamunde-Pilcher-Filmpanoramen zu tun. Meine Top 7,5 Argumente, die für eine Reise sprechen (falls ihr nach Argumenten suchen solltet), sind diese hier:

Gärten

Kein Geheimnis, aber die Briten pflegen ein besonderes Verhältnis zu Gärten und davon kann man sich nur begeistern lassen. Man könnte durch ganz Südengland reisen und dabei immer nur von einem Garten zum nächsten pilgern. Herrenhäuser, Burgen, Parkanlange – man kommt gar nicht an deren Gärten vorbei. Im Hinblick auf Landschaftsarchitektur, Gartengestaltung und „Oh, wie schön“-Faktor spielen sie alle ganz weit vorn mit.

Garten Walden_web

Walmer Castle

Mein Lieblings-Gartenmoment war ein Sonntagvormittag im Bishop’s Palace Garden in Wells. In Ruhe durch die Anlage spazieren, die Blumen bewundern, immer wieder Blicke auf die Kathedrale nebenan erhaschen und die Glocken läuten hören. Entspannter kann’s nicht sein.

Garten Wells_web

Kleiner Wermutstropfen: Der Eintritt ist meistens nicht besonders günstig. Wer mehrere Gärten ansehen will, der sollte schon vor der Reise einen Pass beim National Trust kaufen. Damit kann man innerhalb eines bestimmten Zeitraums so viele Anlagen besuchen, wie man will.
Wenn man Glück hat, findet sogar ein Country Garden Festival statt. Da habe ich mich natürlich nicht zweimal bitten lassen.
country garden festival_web

Meerblick

Bei mir ist das fast ein Automatismus: Ich schaue aufs Meer und mein Hirn ruft „Juhu, Urlaub!“.

Fowey Cornwall

Fowey Cornwall

Wegweiser Deal

Meerblick hat man in Südengland zwangsläufig immer wieder. Ganz unterschiedliche Küstenarten ziehen den Blick in die Ferne. Mancherorts sind es imposante Klippen und Steilküsten.

Tintagle Cornwall

Tintagle Cornwall

An anderen Stellen geht es mit Kieselstränden und Buchten gemächlicher zu.

Boote in WhitstableDazu kommen putzige Strandhäuschen und laaange Küstenwanderwege.

Strandhäuser Whitstable

Strandhäuser Whitstable

Ach ja, und Möwen natürlich.
Möwen auf Strandhaus

Berühmte Sehenswürdigkeiten

Gibt es in Südengland auch. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich mir diese hier eigentlich gar nicht anschauen (ist ja nicht so, als hätte man sie nicht schon x-mal irgendwo gesehen). Aber dann hat uns unsere Route direkt daran vorbeigeführt. Und irgendwie kann man ja auch nicht daran vorbeifahren und nicht hingehen, oder? Die Rede ist von Stonehenge.

Stonehenge
Was ich bisher nicht wusste: Es führt eine normale Landstraße recht nah daran vorbei. Da dort fast immer Stau ist, hat man alle Ruhe, sich den Steinkreis anzuschauen. Man kann aber natürlich auch näher ran. Spannender als die Steine sind fast die Menschenmassen, die sich darum versammeln.

Kuh mit Stonehenge_web

Im Vordergrund Kuh, im Hintergrund Stonehenge.

Vom 2 km entfernten Visitor-Center fährt übrigens auch ein Bus bis zu den Steinen. Man kann aber auch zu Fuß gehen. Dann trifft man eventuell auf diese vom Rummel völlig unbeeindruckte Kuh.

Mythen und Legenden

Fügt sich quasi nahtlos an den vorherigen Punkt an. Wenn man durch Südengland reist, begegnet einem auch folgende Persönlichkeit immer wieder:

Arthus Tintagle_web

König Arthus. Sein Geburtsort, sein Grab, sein zeitweiliger Wohnsitz … kann man alles besuchen. Theoretisch jedenfalls. Praktisch lässt sich kaum nachweisen, wo der Mythos anfängt und wo die Geschichtsschreibung aufhört. Manches könnte auch einfach ein cleverer, mittelalterlicher PR-Coup gewesen sein. Ist aber egal, es macht trotzdem Spaß, sich z.B. in Tintagel oder Glastonbury umzusehen.

Glastonbury Tor_web

Alte Steine

Man muss es mögen. Ich mag es sehr: alte Steine anschauen. Bei der bewegten Geschichte der Insel stolpert man eigentlich an jeder Ecke über Burgen, Ruinen, Klöster, Kathedralen, Forts und was weiß ich, die man sich alle anschauen kann.

Okehampton Castle_webCathedral_webPostamt Tintagle_webNach Herzenslust in der Geschichte herumstöbern geht ganz nebenbei. Auch hier lohnt sich es sich, vor der Reise einen Visitor Pass auf der Seite des English Heritage Verbandes zu kaufen. Dort sind nämlich die Eintrittspreise für z.B. Stonehenge oder Dover Castle schon enthalten.

Es ist so britisch

In Südengland jetzt nicht wirklich eine große Überraschung. Aber ich liebe diesen Mix aus ein bisschen Nostalgie, einer Prise Schrulligkeit und unerschütterlicher Höflichkeit. Wo sonst stehen die Menschen an der Bushaltestelle zur Rush Hour in einer gleichmäßigen Schlange an? Wo sonst wird jede banale Bestellung („Ich hätte gern Kaffee zum Frühstück“) mit Ausrufen wie „Lovely“ oder „Excellent“ kommentiert? Und ich vermisse Cream Tea mit Scones und Clotted Cream. Dafür das englische Frühstück eher weniger.

Taxi_web

Kricket_web

Ich war ganz kurz davor zu fragen, ob ich mitspielen darf. Leider war ich nicht weiß gekleidet.

Buchladen_web

Telefonzelle_web

Geht es noch britischer? Ein alter Turm und eine Telefonzelle.

*Dr Who

Das lassen wahrscheinlich nicht viele als Argument gelten, aber trotzdem muss das jetzt sein. Obwohl ich mich anfangs dagegen gesträubt habe, hat sich bei mir innerhalb des letzten Jahres eine schleichende Begeisterung für die BBC-Fernsehserie Dr Who entwickelt. Logischerweise begegnet man ihr bzw. den Protagonisten in Großbritannien häufiger als bei uns und findet klassische Motive und Witze schon mal auf Grußkarten oder im Zeitschriftenständer wieder. Regelrecht entzückt war ich jedoch, als ich vor einem Antiquitätengeschäft in Portsmouth eine TARDIS stehen sah (es könnte sogar sein, dass ich ein kleines Begeisterungstänzchen aufgeführt und ein Selfie gemacht habe. Beides selbstverständlich nicht im Bild). Ob sie innen größer ist als außen, kann ich nicht sagen, sie ging leider nicht auf.

Tardis_web

Südengland-Bonus: Man kann mit dem eigenen Auto anreisen. Und das funktioniert sogar gut.

Gepäcktechnisch ein echtes Argument. Vor allem, wenn man länger unterwegs ist. Wir haben unsere Reise via Eurotunnel angetreten und die 5-Länder-in-5-Stunden-Nummer durchgezogen. So lange hat es nämlich auf der Hinreise gedauert, bis wir vom Ruhrgebiet aus in Dover ankamen (ohne Stau und in bestmöglicher Zeit auf den Autozug und ab die Post unter dem Ärmelkanal durch – die Rückfahrt lief leider nicht ganz so geschmeidig).
Spaßige Momente bei der Ankunft: Wie schnell darf man eigentlich fahren bei 40 miles per hour? Ein Spickzettel am Armaturenbrett hilft über die ersten Tage. Linksverkehr geht übrigens auch, man sollte bei einem nichtbritischen Wagen nur einen aktiven Beifahrer mitnehmen.

Falls ihr also selbst schon überlegt habt, dem südlichen Teil der britischen Inseln einen Besuch abzustatten, habt ihr jetzt noch ein paar Argumente mehr dafür. Und wenn ihr schon dort wart: Was heut euch nachdrücklich begeistert?
Wo uns unsere Reiseroute entlanggeführt hat und welches meine persönlichen Highlights waren, verrate ich euch in einem anderen Post.

Viele Grüße nun wieder aus dem Alltag
Anne

 

 

 

Ein Clipboard ganz nach meinem Geschmack {DIY}

Einige von euch kennen das vielleicht: Es gibt da eine Ecke im Hirn, die nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um Ideen zu spinnen, Projekte zu überlegen und ganz viele Sachen herauszusprudeln, die man unbedingt mal machen könnte. Das ist in der Regel sehr unterhaltsam und manchmal auch inspirierend. Nur leider hat man immer eine theoretische Projektliste, die länger ist als die durchschnittliche Lebenserwartung. Wenn ich geistesgegenwärtig genug bin, schreibe ich mir solche Ideen in diverse Notizbücher (oder auf Zettel, die dann in meiner Handtasche ein unbestimmtes Dasein führen). Viele dieser Notizen bleiben einfach nur das: Notizen, die ich vergesse.

Will ich eine meiner Ideen tatsächlich endlich in Angriff nehmen, muss ich das konkret planen und am besten auch noch so, dass es gut sichtbar ist. Für den Fall, dass sich ein Zeitfenster auftut und ich vor Schreck gar nicht weiß, welche der vielen (schon wieder neuen) Ideen ich ausprobieren soll. Ich weiß das jetzt, denn ich habe es mir ja schon aufgeschrieben :-)

„Gut sichtbar und schön aufstellen“ war das Motto. Und ich habe festgestellt, dass ich unbedingt ein Clipboard (bzw. Klemmbrett – aber das klingt irgendwie unsexy) brauche. Das schreit nach einem DIY-Projekt, denn so kann ich es ganz genauso machen, wie ich es gern hätte. Und nebenbei noch ein paar Reste verwerten.

Zwei verschiedene Boards sind entstanden: eins zum Hinlegen und eins zum Aufstellen. Die Größe hab ich so gewählt, dass man Postkarten oder ein DIN A5 Blatt befestigen kann.

Clipboards still_klein

So ein Clipboard ist eigentlich recht leicht selbst zu machen, man braucht nur ein bisschen Material und ein wenig Zeit:

Material

•Graupappe (2 mm dick oder mehr – ich habe allerdings etwas dünnere Finnpappe verarbeitet, das geht auch)
•Papier zum Beziehen
•Kleber/Kleister für Papier (ich nehme für solche Arbeiten gern Coccoina Kleber, den gibt es in der Dose oder als Klebestift)
•Metallclip
•kurze Schraube und Mutter
•Lochzange, Schere, evtl. Falzbein

Material Clipboard_klein

Zuschneiden

Für mein Clipboard habe ich die Pappe auf die Maße 18 x 25 cm zugeschnitten. Der Aufsteller für die Rückseite ist 5 x 19,5 cm groß. Den Streifen an einem Ende 2 cm breit einritzen und knicken. So entsteht eine Lasche, die man später gut ankleben kann und gleichzeitig das Scharnier zum Aufstellen.

Das Bezugspapier schneidet man für die Vorder- und Rückseite separat zu. Für die Vorderseite gibt man für jede Seite 1,5 cm Beschnitt zu den Maßen. Die Rückseite wird dafür an jeder Seite 3-4 mm kleiner. In meinem Fall habe ich zwei Rechtecke mit den Maßen 21 x 28 cm (Vorderseite) und 17,2 x 24,2 cm (Rückseite) zugeschnnitten. Für den Aufsteller gilt das gleiche Prinzip.

Kleben

Es ist wichtig, Pappe immer von beiden Seiten zu bekleben, sonst verzieht sie sich. Das kann man auf einem der Zwischenschritte schön erkennen.

Zuerst das größere Papier auf der Rückseite mit Kleister einstreichen, Pappe auflegen und die Ecken des Papiers bis knapp vor die Ecke der Pappe schräg abschneiden. Beschnitt um die Pappe schlagen und überall gut andrücken. Dabei hilft ein Falzbein.
Board bekleben Collage_klein

Anschließend das Gegenstück für die Rückseite aufkleben und ebenfalls gut anreiben. Alles trocknen lassen. Dafür kann man auch ein schweres Buch auf die Pappe legen, damit alles schön glatt und eben trocknet.

Ich habe mein erstes Board mit schwarzem Kraftpapier bezogen. Das fand ich aber etwas zu langweilig, also habe ich es nach dem Trocknen mit silbernem Edding bemalt und ein Punktemuster auf die Vorderseite gezeichnet.

Für mein zweites Board habe ich Papierreste verwertet und Streifen von Loktapapier aufgeklebt. Das ergibt einen netten Patchworkeffekt.

Clip und Aufsteller anbringen

Ist alles gut getrocknet, kann mit der Lochzange das Loch für den Clip gestanzt werden. Dafür die Mitte ausmessen und das Loch so stanzen, dass der Clip mit der oberen Kante abschließt. Kurze Schrauben mit passender Mutter gibt es im Baumarkt oder auch gern mal in der Kram-Box „was von IKEA-Möbeln übrig blieb“.

Soll das Clipboard zum Aufstellen sein, dann wird jetzt auf der Rückseite der Aufsteller (wie heißt das Teil eigentlich wirklich?) an der 2 cm breiten Lasche festgeklebt. Dafür so ausrichten, dass er mit der unteren Kante des Boards abschließt.

Clipboard mit Clip

Zum Schluss einfach den Clip mittels Schraube und Mutter festschrauben. Fertig.

Jetzt kann das Clipboard nach Lust und Laune zum Einsatz kommen: als Präsentationsstück für Lieblingskarten und Fotos oder als Notizblock.

schwarzes Clipboard fertig_klein

Oder aber man notiert sich die nächsten Projekte und To-Dos und legt es gut sichtbar auf den Schreibtisch.

Patchwork Clipboard_klein

Auf dieses Clipboard gehören natürlich nur Lieblingsprojekte und kreative Ideen :-)

Ich wünsche euch ein inspiriertes Wochenende!

 

Liebe Grüße

Anne

Eis mit Kirsche drauf und die verlorene Platte

Was zunächst klingt wie der zweite Teil einer dramatischen Umzugsgeschichte, bei der die Vinyl-Sammlung leider Verluste hinnehmen musste, ist in Wirklichkeit etwas ganz Anderes. Aber der Reihe nach.

Die sommerlichen Temperaturen der letzten Tage lösten bei mir einen sprunghaften Anstieg des Eiskonsums aus. Bei der Gewissensfrage „Becher oder Waffel?“ tendiere ich ja grundsätzlich in Richtung Waffel. Die kann man nämlich auch essen. Minuspunkt für den Becher.
Nachdem ich mich in unserer lokalen Eisdiele quasi häuslich eingerichtet hatte (Wir haben übrigens zwei, die sich an einem kleinen Platz direkt gegenüberliegen und die Kundschaft scheinbar gerecht aufteilen. Das fasziniert mich jeden Sommer aufs Neue, denn es funktioniert irgendwie), bekam ich auf einmal Lust, dieses Sommer-Sonne-Ich-will-ein-Eis-Gefühl bildtechnisch umzusetzen. Es sollte ein Linoldruck werden. Eis in der Waffel – ohne Sahne – aber mit Kirsche drauf. So.
Eine Skizze war schnell gemacht, aber dann fing die Herausforderung an. Ich wollte kein einfarbiges Eis. Und auch kein zweifarbiges. Wenn schon sommerlich, dann richtig.
Linoldrucktechnisch ist das allerdings gar nicht so leicht zu lösen. Nach einigem Überlegen habe ich mich für eine Methode entschieden, die ich bisher noch nie probiert hatte: die verlorene Platte. Hat also nix mit Vinyl zu tun, aber mit Linoleum. Dabei druckt man vom gleichen Motiv verschiedene Farbebenen übereinander und schneidet vor jedem Druckdurchgang weitere Flächen weg. Das eröffnet einerseits viele spannende Möglichkeiten, man hat nur einen entscheidenden Nachteil: am Ende ist die Druckvorlage hinüber. Man muss sich also im Vorfeld überlegen, wie viele Abzüge man machen möchte. Erhöhen kann man die Anzahl später nicht mehr, höchstens durch Fehler beim Drucken verringern …. Das war jedenfalls der Grund, aus dem ich mich bisher nicht an diese Methode gewagt hatte. Aber das Eis-Experiment hat mich bekehrt. Es hat nicht nur viel Spaß gemacht, den Druck Ebene für Ebene Gestalt annehmen zu sehen, es ist auch deutlich entspannter, mit mehreren Farben zu drucken. Die Lernkurve war Steil, die Fehlerquote hoch, deswegen sind am Ende nur 8 Drucke übrig geblieben. Aber das war’s wert :-)

Ich darf vorstellen: Eis mit Kirsche drauf
Druck Eistüte signiert_klein

Verlorene Platte, Reduktionsdruck, … wie jetzt?
Die Eiskugeln im Hörnchen sind in drei Druckdurchgängen entstanden. Am Anfang war alles einfach nur rosa.Druck Ebene1_klein
Vor dem zweiten Durckgang habe ich die Flächen weggeschnitten, die auch am Ende rosa bleiben sollten: die Lichtreflexe auf Kirsche und Tropfen, eine Kugel und außerdem wollte ich noch eine helle Kugel mit roten Stückchen haben. Danach sah der Druckstock so aus:
Schnitt Ebene2_2_klein
Mein Lieblingsteil ist definitiv der große Moment, wenn man die Vorlage vom ersten Testdruck hebt. Die zweite Ebene sollte ein leckeres Erdbeerrot bekommen.
Druck Ebene2_klein
Das Bild gewann an Tiefe, war aber noch nicht ganz da, wo ich es gern gehabt hätte. Also wieder schneiden. Diesmal sehr großzügig. Es blieben jetzt nur noch Schatten und die letzte Kugel übrig. Die wurden Lila gedruckt.
Und fertig. Noch einen Rahmen drum und die Wanddeko passt zum Eis-Wetter.

gerahmter Druck Eistüte_klein

Darauf gibt es jetzt erst mal ein … Eis.
Und gleich wandern die limitierten Drucke noch in meinen Etsy-Shop und zu Dawanda.

Wie haltet ihr es so mit dem Eis? Becher-Löffler oder Waffelfreunde?

Ob das ein guter Tag wird, entscheide immer noch ich

Wochenenden sind toll, Urlaub auch. Alltage nerven, Montage besonders.
Oder nicht?
Wenn man sich überlegt, dass der größte Teil des Jahres (und des Lebens) aus ganz normalen, banalen Alltagen besteht, ist die Formel „Alltag=blöd“ eigentlich eine ziemliche Katastrophe.
Um das zu ändern, könnte man versuchen, jeden Tag zum Wochenende/Urlaub zu machen. Bisher habe ich allerdings noch niemanden gefunden, der mir das finanzieren wollte (Sponsoren sind herzlich eingeladen, sich zu melden :-D). Ich vermute jedoch, dass sich an der Front nicht viel tun wird. Also muss ich das Pferd andersherum aufzäumen. Wie komme ich dahin, dass ich sagen kann: „Urlaub ist schön, Wochenenden sind prima, Alltage auch“? Auf einen Schlag hätte ein Jahr 365 gute Tage. Was für eine Aussicht!

Wie kann das praktisch funktionieren? Diese Frage begleitet mich schon eine ganze Weile und ich habe sie quasi zum Langzeit-Selbstexperiment gemacht. Bisher bin ich zwar nicht auf die Weltformel gestoßen, mit der man – schnipp – plötzlich alles anders sieht (sonst würde ich jetzt vermutlich meine Gemäldesammlung neu sortieren und keine Texte schreiben – obwohl …). Mir sind jedoch viele kleine Dinge aufgefallen, die erstaunlich große Auswirkungen haben.

Wenn ihr Lust habt, dann klinkt euch einfach ein und wir experimentieren gemeinsam. Heute gibt es Teil 1. Und, zugegeben, dieser Teil enthält auch gleich eine der härtesten Nüsse. Aber einfach kann schließlich jeder, oder?

Doch zunächst: Wie sieht eigentlich ein guter, ein richtig toller Tag aus?

Wenn ich einen guten Tag möchte, muss ich zuerst rausfinden, welche die Dinge sind, die einen Tag zu einem guten machen. Beim spontanen Überlegen fielen mir Punkte ein wie: sonnig, aber nicht zu warm, Zeit, um entspannt im Café zu sitzen, kein Stress, etwas Neues sehen/lernen/entdecken, Dinge tun, die mir Spaß machen. So weit, so gut. Die Tage, die genau meine Wohlfühltemperatur haben, sind deutlich in der Unterzahl und auch sonst kann ich ja nicht den ganzen Tag im Café sitzen. Vielleicht doch kein vielversprechender Ansatz?
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr rückte eine andere, für mich entscheidende Sache in den Fokus: Ein guter Tag ist für mich einer, auf den ich abends mit Zufriedenheit zurückblicken kann. Und – Überraschung – ob ich das kann, hängt gar nicht so sehr von äußeren Faktoren ab. Den größten Einfluss auf den Verlauf meines Tages hat meine Einstellung.
Ernsthaft? Ernsthaft.

Umstände? Mir doch egal!

Auf sehr viele Dinge, die mir im Laufe des Tages begegnen, habe ich keinen Einfluss. Komisches Wetter, seltsame Mitmenschen, die mich aus der Bahn werfen, ungeplante Zwischenfälle, verpasste Züge … Kommt alles vor, häufiger als man möchte. Diese Dinge kann man nicht beeinflussen. Wie man damit umgeht aber schon. Nachdem ich mir manchmal einen kurzen Aufrege-Moment gönne, stelle ich mir die Frage: Räume ich diesen Umständen so viel Raum ein, dass sie mir den Tag versauen dürfen? Wer ist hier eigentlich Chefin im Ring?
Wenn mir bewusst wird, dass mich Umstände an der Nase herumführen wollen, steuere ich gegen. Muss ich mit ihnen umgehen? Meistens ja. Dürfen sie mir emotional auf der Nase herumtanzen? Definitiv nicht. Zu allererst ist das eine reine Kopfentscheidung. Ich sage mir selber stur:

>>Ob das ein guter Tag wird, bestimme immer noch ich!<<

Das Hinterhältige: Umstände haben meistens einen ganzen Waggon voller Emotionen im Schlepptau, sie triggern Ängste und Wut und bauschen auch gern Kleinigkeiten zu voller Größe auf. Dann ist die Stimmung schnell mal im Keller. Und jetzt?

Raus aus der Achterbahn

Emotionen sind Freunde. Sie sind ein großer Schatz, der uns die Welt auf ganz vielen Ebenen begreifen lässt. Oft geben sie gute Hinweise auf Dinge, die nicht im Lot sind. Sie sorgen für übersprudelnde Glücksgefühle und das genau Gegenteil. Sie machen das Leben unendlich viel spannender. Aber ich bin der Überzeugung, dass man sie nicht die Richtung bestimmen lassen sollte. Wenn ich meinen Emotionen und Stimmungen die Chefmütze aufsetze, kommt definitiv mehr Drama in mein Leben. Jeder Tag wird zur Achterbahnfahrt, bei der es ordentlich hoch und runter geht, man aber möglicherweise einfach nur im Kreis fährt.
Wenn ich meinen Emotionen und Stimmungen allerdings sage, wo es langgeht (denn ich bestimme schließlich, ob das ein guter Tag wird), muss ich sie dann unterdrücken? Nein.
Was mir wirklich hilft, ist eine kleine Achtsamkeitsübung. Wenn ich feststelle, dass meine Emotionen gerade die großen Geschütze auffahren, ich total gestresst/ängstlich/wütend/niedergeschmettert … bin, halte ich einen Moment inne und nehme einen Beobachterposten ein. Ich schaue mir an, was gerade in meinem Kopf abgeht und wie sich das auf meinen Körper auswirkt. Und manchmal geht da wirklich die Post ab, ein Gedanke jagt den nächsten, die Muskeln sind angespannt, die Atmung geht flach. Das ist völlig in Ordnung und eigentlich auch faszinierend zu beobachten (müsste ich jetzt flüchten, wäre ich bestens vorbereitet). Wenn man diesen Beobachterposten eingenommen hat, kann man die Emotionen aber auch viel einfacher loslassen und weiterziehen lassen. Sie sind da, man hat sie wahrgenommen und vielleicht ist auch klar geworden, warum sie sich so aufspielen. Trotzdem gibt ihnen das kein Recht, die Dramaqueen raushängen zu lassen. Es ist dein Tag, deine Entscheidung!

Freuen, was das Zeug hält

Wer bestimmt, welche Richtung dein Tag einschlägt, hätten wir geklärt. Wenn aber weder die Umstände, noch deine Emotionen zu viel Gewicht bekommen sollten, was dann?
Alles, was gut ist, was dich Lächeln lässt, was dafür sorgt, dass du abends zufrieden bist, was deine Seele zum Klingen bringt. Wann immer sich die Gelegenheit bietet (und es gibt im Laufe eines Tages mehr davon, als man meint), lautet die Devise: Freuen, was das Zeug hält.
Und mit dem Freuen gehts im nächsten Beitrag der Reihe weiter. Das ist sowieso mein Lieblingsthema :-) Bis dahin können wir das aber auch so schon ausgiebig üben. Diese Woche zum Beispiel.
Ich wette, die hat ganz viele gute Tage.

Liebe Grüße
Anne