Abenteuer auf dem Amt

Werden die Mitarbeiter eines städtischen Amtes aufgrund ihrer Persönlichkeitsmerkmale eingestellt? Beeinflussen bestimmte Ämter auf Dauer die Laune? Oder herrscht dort einfach ein Ton, der – von Generation zu Generation weitergegeben – fest zum Inventar gehört?
Ich bin mir nicht sicher.
Dabei können die Mitarbeiter vor Ort durchaus überraschen. Mit Wehmut denke ich zum Beispiel an „meine“ Bafög-Sachbearbeiterin zurück. Vielleicht lag es daran, dass in ihrem Zuständigkeitsbereich (Nachnamen N-Q) nicht so ein großer Andrang herrschte. Sie war jedenfalls ein echter Schatz. Und wenn man mal wieder spät dran war oder im monetären Bereich auf dem Trockenen saß, zog sie den Antrag auch mal extra schnell durch.
Auch bei Finanzbeamten habe ich schon echte Überraschungen erlebt. Gut gelaunte Herren, immer einen Witz auf Lager und für die Uhrzeit (7.00 Uhr morgens) und die Büroausstattung (hätte mich schon lange in die Depression getrieben) wirklich hilfsbereit und auskunftsfreudig.
Aber natürlich habe ich auch oft genug das genaue Gegenteil erlebt. Oder Gegenüber, die beim Tippen auf der Tastatur (2-Finger-Suchsystem) fast eingeschlafen wären.
Ein Termin bei einer Behörde ist immer eine Wundertüte. Man weiß nie, was auf einen wartet. Und heute war es mal wieder soweit. Mich hat es zum ersten Mal direkt ins Rathaus verschlagen, denn ich wollte ausnahmsweise mal nicht ins Bürgerzentrum um mich umzumelden oder Ausweise verlängern zu lassen.
Mein Ziel war die 17. Etage. Und, wow, ist der Blick toll von dort oben. Wenn man erst mal das richtige Büro gefunden hat. Dreimal um den Pudding (Unübersichtlichkeit scheint immer zum Konzept zu gehören) aber schließlich stand ich davor. Und saß kurz darauf vor der zuständigen Sachbearbeiterin und einem grandiosen Ausblick. Sie hatte leider nichts davon, denn sie saß mit dem Rücken zum Fenster (vielleicht hätte mich das auch bedrückt). Während sie mich mit knappen, gegrummelten Ansagen abfertigte (von der zweiten Dame im Raum wurde ich konsequent ignoriert), lauschte ich neiderfüllt den Gesprächen im Nachbarbüro. Während ich mir schon nach der ersten Rückfrage wie ein minderbemittelter Bittsteller vorkam, beantwortete die Kollegin nebenan auf charmante Weise am Telefon alle Fragen des Anrufers in einer Engelsgeduld. Ich saß unterdessen in bedrückender Stille im Zimmer, während meine Sachbearbeiterin mit versteinerter Mine auf die Tastatur hämmerte. Neben ihr an der Wand ein Schild mit der Aufschrift „Wenn Sie uns für unfreundlich halten, sollten Sie mal unseren Chef kennenlernen.“ Ach, nö.
Wünschte, ich hätte einfach nach nebenan gehen können, um dort noch ein paar hilfreiche Hinweise mit auf den Weg zu bekommen. Ging aber nicht. Das Nachbarzimmer war nur für die Nachnamen A-M zuständig. Erwog kurzzeitig eine Namensänderung.
Doch dann bekam ich überraschend schnell die benötigte Bescheinigung ausgehändigt und bezahlte brav die Bearbeitungsgebühr. Ich zog noch mal alle Register und bedankte mich mit strahlendstem Lächeln. Was mir immerhin noch eine nützliche Information bescherte. Und ein fast schon freundliches Auf-Wiedersehen. Geht doch.
Aber beim nächsten Mal rufe ich an. Und melde mich am Telefon sicherheitshalber mit Müller.

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