Sieben Wochen ohne. Oder mit. Oder überhaupt?

Als ich jung war und ungestüm, frisch auf eigenen Beinen stand und überlegt habe, was ich denn so mit meinem Leben anfangen will, fand ich Traditionen eher doof. Langweilig, überbewertet, braucht doch kein Mensch.
Heute – bin ich zwar nicht alt, aber 15 Jahre älter – merke ich, dass sich meine Einstellung zum Thema Tradition ziemlich geändert hat. Es gibt viele, die ich schön finde, die mich faszinieren. Ich fange an, eigene kleine Rituale zu entwickeln und mich alten Traditionen wieder zuzuwenden. Nun bin ich kein Freund der „Das haben wir schon immer so gemacht, also machen wir es immer weiter so“-Regel, aber wenn man manchen Dingen mal auf den Grund geht, findet man womöglich kleine Schätze für sich selbst. Und kann sie nach Herzenslust neu interpretieren. Vielleicht muss auch zwangsweise erst mal alles raus, damit Einzelstücke, frisch poliert, wieder zur Geltung kommen können.

Ich lasse mir mittlerweile gern vom Kirchenjahr den Rhythmus vorgeben. Da ist eine Menge Platz für die ganze Palette menschlichen Lebens – von überschwänglicher Freude und Jubel bis zu Trostlosigkeit und Zerbruch. Vom Genießen bis zum Entsagen, Glück und Schmerz, alles hat seinen Platz. Und es gibt viel Raum für Dinge, die über das menschliche Leben hinausgeben.

Laut Kirchenjahresalender sind wir nach dem Fasching (mit dem ich eher nicht so viel anfangen kann) in der Fastenzeit angekommen. Knapp sieben Wochen sind es noch bis Ostern. Manche fasten in der Zeit irgendetwas (z.B. Alkohol oder soziale Medien). Andere gestalten die Zeit, indem sie den Fokus auf ein bestimmtes Thema lenken. Also quasi sieben Wochen mit. Und wieder andere lassen die 40 Tage einfach an sich vorbeiziehen.
Meistens habe ich mich in die letzte Gruppe eingegliedert.

Dieses Jahr hatte ich allerdings das Bedürfnis, die Fastenzeit etwas bewusster zu gestalten als sonst und mich in die Traditionslinie einzuklinken. Ich faste. Bis Ostern will ich auf Süßigkeiten und Kuchen verzichten und Zucker so weit wie möglich reduzieren. Da mir das unglaublich schwerfällt, posaune ich das überall rum, damit es peinlich wird, wenn ich nicht durchhalte :-)

Warum tue ich mir das an?
Ich stelle fest, dass es mit guttut, mich gelegentlich freiwillig zu beschränken. Quasi Verzichten als Übung. Wir leben in einer „Immer alles sofort“-Zeit. Das färbt stärker ab, als ich mir manchmal eingestehen will. Bewusster Verzicht ist meine kleine trotzige Gegenreaktion. Ich könnte. Aber ich will nicht. Also muss ich auch nicht. Eine andere Form von Freiheit.
Es ist auch ein Symbol: Das Leben ist nicht immer süß. Muss es auch nicht sein. Kuchzeiten gehören dazu, genauso wie „kein Kuchen“-Zeiten.
Und natürlich ist ein gewisser Gesundheitsaspekt nicht von der Hand zu weisen. Ich liebe Süßes und Kuchen. In Stresszeiten zu sehr. Dann hilft mir tatsächlich eine radikale Maßnahme, um wieder ein vernünftiges Maß zu finden.
Ein bisschen Schuld hatte auch der Mann. Er hat die Idee als gemeinsame Challenge in den Ring geworfen. Und diese Herausforderung konnte ich natürlich nicht ignorieren. Jetzt will ich auch nicht die sein, die zuerst schummelt.

5 Tage habe ich schon geschafft. Mein bisheriges Fazit?
Wochenenden sind besonders hart – weil ohne Kuchen oder Keks zum Kaffee.
Heißhungerattacken kommen mit Sicherheit. Aber sie gehen auch wieder. Es ist sehr tröstlich zu erleben, dass man nicht jämmerlich zugrunde geht, wenn man die energischen „Ich will jetzt Schokolade“-Rufe des Gehirns nicht so ernst nimmt. Meistens steckt einfach nur eine blöde Gewohnheit dahinter. Ich übe also ein bisschen praktische Achtsamkeit.

Durch den eigenen Verzicht ist mir die Fastenzeit als Weg zum Osterfest viel häufiger und deutlicher präsent. Ich denke stärker auf ein Ziel hin. Und manchmal einfach nur, indem ich mir überlege, welchen Kuchen ich Ostern backen werde :-)

Werde ich die kompletten 40 Tage ohne Süßes durchstehen? Oder irgendwann kläglich und entnervt aufgeben? Bleiben Sie dran – spätestens Ostern erzähle ich, ob ich’s geschafft habe.

Habt ihr die Fastenzeit bis Ostern schon mal „ohne“ oder „mit“ auf besondere Weise gestaltet?

Liebe Grüße
Anne

 

 

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Sieben Wochen ohne. Oder mit. Oder überhaupt?

  1. Hallo Anne,da geht doch der Daumen hoch. Wir sind schon zwei, die auf den Süß Kram verzichten. In Gemeinschaft fasten stärkt ungemein! Es sind bestimmt noch gaaaaaanz viele,die mitmachen. Beim Kaffee bin ich schon drei Mal schwach geworden. Jetzt habe ich mein Ziel auf Süßes festgesteckt. Viel Freude beim Charakter festigen.LG deine Tante G

  2. Ich verzichte auch auf Süßigkeiten und Zucker so weit es geht. In der Woche klappt es ganz gut, aber die Wochenende sind wirklich schwer. Drücke dir die Daumen,
    lg
    Katja

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