Ein Clipboard ganz nach meinem Geschmack {DIY}

Einige von euch kennen das vielleicht: Es gibt da eine Ecke im Hirn, die nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um Ideen zu spinnen, Projekte zu überlegen und ganz viele Sachen herauszusprudeln, die man unbedingt mal machen könnte. Das ist in der Regel sehr unterhaltsam und manchmal auch inspirierend. Nur leider hat man immer eine theoretische Projektliste, die länger ist als die durchschnittliche Lebenserwartung. Wenn ich geistesgegenwärtig genug bin, schreibe ich mir solche Ideen in diverse Notizbücher (oder auf Zettel, die dann in meiner Handtasche ein unbestimmtes Dasein führen). Viele dieser Notizen bleiben einfach nur das: Notizen, die ich vergesse.

Will ich eine meiner Ideen tatsächlich endlich in Angriff nehmen, muss ich das konkret planen und am besten auch noch so, dass es gut sichtbar ist. Für den Fall, dass sich ein Zeitfenster auftut und ich vor Schreck gar nicht weiß, welche der vielen (schon wieder neuen) Ideen ich ausprobieren soll. Ich weiß das jetzt, denn ich habe es mir ja schon aufgeschrieben :-)

„Gut sichtbar und schön aufstellen“ war das Motto. Und ich habe festgestellt, dass ich unbedingt ein Clipboard (bzw. Klemmbrett – aber das klingt irgendwie unsexy) brauche. Das schreit nach einem DIY-Projekt, denn so kann ich es ganz genauso machen, wie ich es gern hätte. Und nebenbei noch ein paar Reste verwerten.

Zwei verschiedene Boards sind entstanden: eins zum Hinlegen und eins zum Aufstellen. Die Größe hab ich so gewählt, dass man Postkarten oder ein DIN A5 Blatt befestigen kann.

Clipboards still_klein

So ein Clipboard ist eigentlich recht leicht selbst zu machen, man braucht nur ein bisschen Material und ein wenig Zeit:

Material

•Graupappe (2 mm dick oder mehr – ich habe allerdings etwas dünnere Finnpappe verarbeitet, das geht auch)
•Papier zum Beziehen
•Kleber/Kleister für Papier (ich nehme für solche Arbeiten gern Coccoina Kleber, den gibt es in der Dose oder als Klebestift)
•Metallclip
•kurze Schraube und Mutter
•Lochzange, Schere, evtl. Falzbein

Material Clipboard_klein

Zuschneiden

Für mein Clipboard habe ich die Pappe auf die Maße 18 x 25 cm zugeschnitten. Der Aufsteller für die Rückseite ist 5 x 19,5 cm groß. Den Streifen an einem Ende 2 cm breit einritzen und knicken. So entsteht eine Lasche, die man später gut ankleben kann und gleichzeitig das Scharnier zum Aufstellen.

Das Bezugspapier schneidet man für die Vorder- und Rückseite separat zu. Für die Vorderseite gibt man für jede Seite 1,5 cm Beschnitt zu den Maßen. Die Rückseite wird dafür an jeder Seite 3-4 mm kleiner. In meinem Fall habe ich zwei Rechtecke mit den Maßen 21 x 28 cm (Vorderseite) und 17,2 x 24,2 cm (Rückseite) zugeschnnitten. Für den Aufsteller gilt das gleiche Prinzip.

Kleben

Es ist wichtig, Pappe immer von beiden Seiten zu bekleben, sonst verzieht sie sich. Das kann man auf einem der Zwischenschritte schön erkennen.

Zuerst das größere Papier auf der Rückseite mit Kleister einstreichen, Pappe auflegen und die Ecken des Papiers bis knapp vor die Ecke der Pappe schräg abschneiden. Beschnitt um die Pappe schlagen und überall gut andrücken. Dabei hilft ein Falzbein.
Board bekleben Collage_klein

Anschließend das Gegenstück für die Rückseite aufkleben und ebenfalls gut anreiben. Alles trocknen lassen. Dafür kann man auch ein schweres Buch auf die Pappe legen, damit alles schön glatt und eben trocknet.

Ich habe mein erstes Board mit schwarzem Kraftpapier bezogen. Das fand ich aber etwas zu langweilig, also habe ich es nach dem Trocknen mit silbernem Edding bemalt und ein Punktemuster auf die Vorderseite gezeichnet.

Für mein zweites Board habe ich Papierreste verwertet und Streifen von Loktapapier aufgeklebt. Das ergibt einen netten Patchworkeffekt.

Clip und Aufsteller anbringen

Ist alles gut getrocknet, kann mit der Lochzange das Loch für den Clip gestanzt werden. Dafür die Mitte ausmessen und das Loch so stanzen, dass der Clip mit der oberen Kante abschließt. Kurze Schrauben mit passender Mutter gibt es im Baumarkt oder auch gern mal in der Kram-Box „was von IKEA-Möbeln übrig blieb“.

Soll das Clipboard zum Aufstellen sein, dann wird jetzt auf der Rückseite der Aufsteller (wie heißt das Teil eigentlich wirklich?) an der 2 cm breiten Lasche festgeklebt. Dafür so ausrichten, dass er mit der unteren Kante des Boards abschließt.

Clipboard mit Clip

Zum Schluss einfach den Clip mittels Schraube und Mutter festschrauben. Fertig.

Jetzt kann das Clipboard nach Lust und Laune zum Einsatz kommen: als Präsentationsstück für Lieblingskarten und Fotos oder als Notizblock.

schwarzes Clipboard fertig_klein

Oder aber man notiert sich die nächsten Projekte und To-Dos und legt es gut sichtbar auf den Schreibtisch.

Patchwork Clipboard_klein

Auf dieses Clipboard gehören natürlich nur Lieblingsprojekte und kreative Ideen :-)

Ich wünsche euch ein inspiriertes Wochenende!

 

Liebe Grüße

Anne

Eis mit Kirsche drauf und die verlorene Platte

Was zunächst klingt wie der zweite Teil einer dramatischen Umzugsgeschichte, bei der die Vinyl-Sammlung leider Verluste hinnehmen musste, ist in Wirklichkeit etwas ganz Anderes. Aber der Reihe nach.

Die sommerlichen Temperaturen der letzten Tage lösten bei mir einen sprunghaften Anstieg des Eiskonsums aus. Bei der Gewissensfrage „Becher oder Waffel?“ tendiere ich ja grundsätzlich in Richtung Waffel. Die kann man nämlich auch essen. Minuspunkt für den Becher.
Nachdem ich mich in unserer lokalen Eisdiele quasi häuslich eingerichtet hatte (Wir haben übrigens zwei, die sich an einem kleinen Platz direkt gegenüberliegen und die Kundschaft scheinbar gerecht aufteilen. Das fasziniert mich jeden Sommer aufs Neue, denn es funktioniert irgendwie), bekam ich auf einmal Lust, dieses Sommer-Sonne-Ich-will-ein-Eis-Gefühl bildtechnisch umzusetzen. Es sollte ein Linoldruck werden. Eis in der Waffel – ohne Sahne – aber mit Kirsche drauf. So.
Eine Skizze war schnell gemacht, aber dann fing die Herausforderung an. Ich wollte kein einfarbiges Eis. Und auch kein zweifarbiges. Wenn schon sommerlich, dann richtig.
Linoldrucktechnisch ist das allerdings gar nicht so leicht zu lösen. Nach einigem Überlegen habe ich mich für eine Methode entschieden, die ich bisher noch nie probiert hatte: die verlorene Platte. Hat also nix mit Vinyl zu tun, aber mit Linoleum. Dabei druckt man vom gleichen Motiv verschiedene Farbebenen übereinander und schneidet vor jedem Druckdurchgang weitere Flächen weg. Das eröffnet einerseits viele spannende Möglichkeiten, man hat nur einen entscheidenden Nachteil: am Ende ist die Druckvorlage hinüber. Man muss sich also im Vorfeld überlegen, wie viele Abzüge man machen möchte. Erhöhen kann man die Anzahl später nicht mehr, höchstens durch Fehler beim Drucken verringern …. Das war jedenfalls der Grund, aus dem ich mich bisher nicht an diese Methode gewagt hatte. Aber das Eis-Experiment hat mich bekehrt. Es hat nicht nur viel Spaß gemacht, den Druck Ebene für Ebene Gestalt annehmen zu sehen, es ist auch deutlich entspannter, mit mehreren Farben zu drucken. Die Lernkurve war Steil, die Fehlerquote hoch, deswegen sind am Ende nur 8 Drucke übrig geblieben. Aber das war’s wert :-)

Ich darf vorstellen: Eis mit Kirsche drauf
Druck Eistüte signiert_klein

Verlorene Platte, Reduktionsdruck, … wie jetzt?
Die Eiskugeln im Hörnchen sind in drei Druckdurchgängen entstanden. Am Anfang war alles einfach nur rosa.Druck Ebene1_klein
Vor dem zweiten Durckgang habe ich die Flächen weggeschnitten, die auch am Ende rosa bleiben sollten: die Lichtreflexe auf Kirsche und Tropfen, eine Kugel und außerdem wollte ich noch eine helle Kugel mit roten Stückchen haben. Danach sah der Druckstock so aus:
Schnitt Ebene2_2_klein
Mein Lieblingsteil ist definitiv der große Moment, wenn man die Vorlage vom ersten Testdruck hebt. Die zweite Ebene sollte ein leckeres Erdbeerrot bekommen.
Druck Ebene2_klein
Das Bild gewann an Tiefe, war aber noch nicht ganz da, wo ich es gern gehabt hätte. Also wieder schneiden. Diesmal sehr großzügig. Es blieben jetzt nur noch Schatten und die letzte Kugel übrig. Die wurden Lila gedruckt.
Und fertig. Noch einen Rahmen drum und die Wanddeko passt zum Eis-Wetter.

gerahmter Druck Eistüte_klein

Darauf gibt es jetzt erst mal ein … Eis.
Und gleich wandern die limitierten Drucke noch in meinen Etsy-Shop und zu Dawanda.

Wie haltet ihr es so mit dem Eis? Becher-Löffler oder Waffelfreunde?

Ob das ein guter Tag wird, entscheide immer noch ich

Wochenenden sind toll, Urlaub auch. Alltage nerven, Montage besonders.
Oder nicht?
Wenn man sich überlegt, dass der größte Teil des Jahres (und des Lebens) aus ganz normalen, banalen Alltagen besteht, ist die Formel „Alltag=blöd“ eigentlich eine ziemliche Katastrophe.
Um das zu ändern, könnte man versuchen, jeden Tag zum Wochenende/Urlaub zu machen. Bisher habe ich allerdings noch niemanden gefunden, der mir das finanzieren wollte (Sponsoren sind herzlich eingeladen, sich zu melden :-D). Ich vermute jedoch, dass sich an der Front nicht viel tun wird. Also muss ich das Pferd andersherum aufzäumen. Wie komme ich dahin, dass ich sagen kann: „Urlaub ist schön, Wochenenden sind prima, Alltage auch“? Auf einen Schlag hätte ein Jahr 365 gute Tage. Was für eine Aussicht!

Wie kann das praktisch funktionieren? Diese Frage begleitet mich schon eine ganze Weile und ich habe sie quasi zum Langzeit-Selbstexperiment gemacht. Bisher bin ich zwar nicht auf die Weltformel gestoßen, mit der man – schnipp – plötzlich alles anders sieht (sonst würde ich jetzt vermutlich meine Gemäldesammlung neu sortieren und keine Texte schreiben – obwohl …). Mir sind jedoch viele kleine Dinge aufgefallen, die erstaunlich große Auswirkungen haben.

Wenn ihr Lust habt, dann klinkt euch einfach ein und wir experimentieren gemeinsam. Heute gibt es Teil 1. Und, zugegeben, dieser Teil enthält auch gleich eine der härtesten Nüsse. Aber einfach kann schließlich jeder, oder?

Doch zunächst: Wie sieht eigentlich ein guter, ein richtig toller Tag aus?

Wenn ich einen guten Tag möchte, muss ich zuerst rausfinden, welche die Dinge sind, die einen Tag zu einem guten machen. Beim spontanen Überlegen fielen mir Punkte ein wie: sonnig, aber nicht zu warm, Zeit, um entspannt im Café zu sitzen, kein Stress, etwas Neues sehen/lernen/entdecken, Dinge tun, die mir Spaß machen. So weit, so gut. Die Tage, die genau meine Wohlfühltemperatur haben, sind deutlich in der Unterzahl und auch sonst kann ich ja nicht den ganzen Tag im Café sitzen. Vielleicht doch kein vielversprechender Ansatz?
Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr rückte eine andere, für mich entscheidende Sache in den Fokus: Ein guter Tag ist für mich einer, auf den ich abends mit Zufriedenheit zurückblicken kann. Und – Überraschung – ob ich das kann, hängt gar nicht so sehr von äußeren Faktoren ab. Den größten Einfluss auf den Verlauf meines Tages hat meine Einstellung.
Ernsthaft? Ernsthaft.

Umstände? Mir doch egal!

Auf sehr viele Dinge, die mir im Laufe des Tages begegnen, habe ich keinen Einfluss. Komisches Wetter, seltsame Mitmenschen, die mich aus der Bahn werfen, ungeplante Zwischenfälle, verpasste Züge … Kommt alles vor, häufiger als man möchte. Diese Dinge kann man nicht beeinflussen. Wie man damit umgeht aber schon. Nachdem ich mir manchmal einen kurzen Aufrege-Moment gönne, stelle ich mir die Frage: Räume ich diesen Umständen so viel Raum ein, dass sie mir den Tag versauen dürfen? Wer ist hier eigentlich Chefin im Ring?
Wenn mir bewusst wird, dass mich Umstände an der Nase herumführen wollen, steuere ich gegen. Muss ich mit ihnen umgehen? Meistens ja. Dürfen sie mir emotional auf der Nase herumtanzen? Definitiv nicht. Zu allererst ist das eine reine Kopfentscheidung. Ich sage mir selber stur:

>>Ob das ein guter Tag wird, bestimme immer noch ich!<<

Das Hinterhältige: Umstände haben meistens einen ganzen Waggon voller Emotionen im Schlepptau, sie triggern Ängste und Wut und bauschen auch gern Kleinigkeiten zu voller Größe auf. Dann ist die Stimmung schnell mal im Keller. Und jetzt?

Raus aus der Achterbahn

Emotionen sind Freunde. Sie sind ein großer Schatz, der uns die Welt auf ganz vielen Ebenen begreifen lässt. Oft geben sie gute Hinweise auf Dinge, die nicht im Lot sind. Sie sorgen für übersprudelnde Glücksgefühle und das genau Gegenteil. Sie machen das Leben unendlich viel spannender. Aber ich bin der Überzeugung, dass man sie nicht die Richtung bestimmen lassen sollte. Wenn ich meinen Emotionen und Stimmungen die Chefmütze aufsetze, kommt definitiv mehr Drama in mein Leben. Jeder Tag wird zur Achterbahnfahrt, bei der es ordentlich hoch und runter geht, man aber möglicherweise einfach nur im Kreis fährt.
Wenn ich meinen Emotionen und Stimmungen allerdings sage, wo es langgeht (denn ich bestimme schließlich, ob das ein guter Tag wird), muss ich sie dann unterdrücken? Nein.
Was mir wirklich hilft, ist eine kleine Achtsamkeitsübung. Wenn ich feststelle, dass meine Emotionen gerade die großen Geschütze auffahren, ich total gestresst/ängstlich/wütend/niedergeschmettert … bin, halte ich einen Moment inne und nehme einen Beobachterposten ein. Ich schaue mir an, was gerade in meinem Kopf abgeht und wie sich das auf meinen Körper auswirkt. Und manchmal geht da wirklich die Post ab, ein Gedanke jagt den nächsten, die Muskeln sind angespannt, die Atmung geht flach. Das ist völlig in Ordnung und eigentlich auch faszinierend zu beobachten (müsste ich jetzt flüchten, wäre ich bestens vorbereitet). Wenn man diesen Beobachterposten eingenommen hat, kann man die Emotionen aber auch viel einfacher loslassen und weiterziehen lassen. Sie sind da, man hat sie wahrgenommen und vielleicht ist auch klar geworden, warum sie sich so aufspielen. Trotzdem gibt ihnen das kein Recht, die Dramaqueen raushängen zu lassen. Es ist dein Tag, deine Entscheidung!

Freuen, was das Zeug hält

Wer bestimmt, welche Richtung dein Tag einschlägt, hätten wir geklärt. Wenn aber weder die Umstände, noch deine Emotionen zu viel Gewicht bekommen sollten, was dann?
Alles, was gut ist, was dich Lächeln lässt, was dafür sorgt, dass du abends zufrieden bist, was deine Seele zum Klingen bringt. Wann immer sich die Gelegenheit bietet (und es gibt im Laufe eines Tages mehr davon, als man meint), lautet die Devise: Freuen, was das Zeug hält.
Und mit dem Freuen gehts im nächsten Beitrag der Reihe weiter. Das ist sowieso mein Lieblingsthema :-) Bis dahin können wir das aber auch so schon ausgiebig üben. Diese Woche zum Beispiel.
Ich wette, die hat ganz viele gute Tage.

Liebe Grüße
Anne

 

 

 

 

12 von 12 im Mai 2017

Ich muss ja zugeben, dass ich dieses Jahr keinen richtigen 12-von-12-Lauf habe. Bisher hat es nur jeden zweiten Monat geklappt und der Mai ist tatsächlich solch ein zweiter Monat. Ich habe hin und wieder dran gedacht, die Kamera auf meinen Alltag zu halten und kurz zu knipsen. Herzlich willkommen also in meinem normalen Freitag. Wobei Freitage bei mir weniger normal sind als andere Tage, weil ich bürofrei habe und mich meistens anderen Projekten widme.

Zum Beispiel dem Kaffee am Morgen. Ich habe – aus welchen Gründen auch immer – schlecht geschlafen und brauche ganz dringend Koffein. Brühen the old way.
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Anschließend prüfender Blick auf den Balkon-Gemüsegarten. Der Salat explodiert momentan förmlich, die Erdbeeren bilden Erdbeeren und ich bin zufrieden.
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Nach ein paar unfotogenen Orga-Dingen, die dringend erledigt werden müssen, verziehe ich mich in mein Arbeitszimmer und produziere einerseits Leporello-Nachschub und teste andererseits einen neuen Kleber.
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Zwischendurch ist der Elektriker angekommen. Halleluja. Nach nur einem halben Jahr haben wir endlich einen Elektriker gefunden, der die Außenbeleuchtung installiert und ans Stromnetz anschließt.
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Während er was mit Kabeln macht, klebe ich Umschläge und tüftle weiter an einer neuen Idee.
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Der Elektriker ist fertig, die Sonne kommt kurz raus und ich mache einen kleinen Gartenrundgang. Ich habe keine Ahnung, was das ist und wie es blüht – aber es wird erstaunlich groß für ne Blumenzwiebel:
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Die andere Gartenseite hat sich farbtechnisch aufeinander abgestimmt:
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Ich habe einen Termin und stelle mich mit dem Auto erst mal in den Stau. Der Stau ist natürlich nur auf meiner Fahrbahnseite. Dafür kann ich den Fortschritt der neuen Autobahnauffahrt genauestens begutachten. Theoretisch könnte ich Tagebuch darüber führen, so oft stehe ich hier:
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Leider komme ich so kurz vor knapp an, dass ich nur noch schnell am Lieblingsladen vorbeilaufen kann. Zum Reingehen reicht die Zeit nicht. Vielleicht auch besser so.
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Die nächsten zwei Stunden verbringe ich beim Friseur. Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich davon auch ein Foto einstelle (ich mit wild abstehenden Haaren), dann aber kurzfristig gekniffen. Trotzdem werde ich zu Hause mit Willkommensgruß empfangen:
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Das Teil parkt gerade im Flur zwischen, bis es an seinem Outdoor-Platz angedübelt wird.
Ich bin hungrig und mache mir ein Sandwich. Ist ja auch schon Abendbrotzeit. Und draußen ist es noch warm genug, um auf dem Balkon zu essen.
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Routiniert werfe ich noch einen Blick auf meine Paprika. Die habe ich nämlich überwintert, kämpfe mit Ausdauer gegen Blattläuse und warte darauf, dass ich sie nach draußen bringen kann. Aber. Sie trägt schon eine Minipaprika. Auch wenn die Pflanze eher kläglich aussieht. Egal, Paprika ist Paprika.

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Mit diesem Gedanken verabschiede ich mich ins Wochenende.

Vielen Dank fürs Vorbeischauen und noch mehr 12von12-Bilder gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen.

Liebe Grüße
Anne

 

 

 

Siebdruck ohne Sieb. Ein DIY-Experiment

Ich habe in den letzten Jahren meine Liebe zu handgemachten Drucktechniken wiederentdeckt. Trotz eines ausgewachsenen Schultraumas hat erst der Linoldruck mein Herz erobert und kurz darauf erwachte meine Faszination für den Siebdruck.
Nun ist das mit dem Siebdruck so eine Sache, denn das nötige Material hat man in der Regel nicht mal eben zu Hause rumliegen (ein Linolmesser und ein Stück Linoleum bekommt man hingegen schon für kleines Geld). Ich habe anfangs lange gezögert, ob ich mir – nur um es mal auszuprobieren – tatsächlich ein Drucksieb und alles mögliche andere Zeug kaufen soll. Irgendwann hab ich es einfach gemacht und mittlerweile meinen eigenen, etwas untypischen Ansatz für den Druck entwickelt.

Als ich schon eine ganze Weile mit Sieb gedruckt habe, stieß ich auf eine improvisierte DIY-Version. Siebdruck mit Materialien, die man meistens sowieso schon hat. Wäre ich da mal früher drauf gekommen … Zwar schätze ich solides Werkzeug, aber ich habe trotzdem eine kleine Schwäche für improvisierte Methoden. Und diese hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob das wirklich funktionieren kann.

Dieses Experiment stand schon also schon länger auf meiner Kreative-Dinge-to-do-Liste und jetzt habe ich es endlich angepackt. Falls also jemand schon immer mal das Prinzip Siebdruck testen wollte, ohne gleich viel Geld auszugeben – so geht es auch:

Siebdruck mit Stickreifen, Strumpfhose und Serviettenkleber

Material_klein

Das Prinzip:
Beim Siebdruck erstellt man eigentlich eine Schablone auf einem Gewebe. Meistens werden Siebe heute wie beim Fotoentwickeln belichtet. Ich male aber am liebsten meine Vorlage direkt aufs Gewebe. Die Fäden des Stoffes sorgen dafür, dass sich die Farbe gleichmäßig verteilt. Das Gewebe sollte übrigens aus Syntetik sein, sonst färbt man den Stoff statt zu drucken. Das ist ja nicht der Sinn der Sache.

Material:

Zum Erstellen eines improvisierten Drucksiebs braucht man tatsächlich nur einen Stickring, eine Damenstrumpfhose, Mod Podge oder flüssigen Serviettenkleber, Pinsel, Bleistift und ein einfaches Motiv mit wenig Details.

Von einem Bein der Strumpfhose ein Stück abschneiden, das so hoch wie der Stickreifen ist. Den Schlauch längs aufschneiden und das so entstandene Rechteck möglichst straff in den Ring spannen.

Motiv übertragen_klein

Das „Sieb“ über das Motiv legen und mit einem weichen Bleistift durchpausen.
Jetzt kann die eigentliche Druckschablone entstehen:

Schablone erstellen_klein

Dafür das „Sieb“ umdrehen und alle Flächen mit dem Klebstoff bestreichen, die später weiß bleiben sollen. Ich habe mir ein Dreieckmotiv vorgezeichnet. Das, was im Bild weiß eingestrichen ist (der Klebstoff trocknet allerdings transparent), bekommt später keine Farbe ab.
Wer kein symmetrisches Motiv gezeichnet hat, arbeitet auf der Rückseite quasi spiegelverkehrt. Das muss so.
Den Kleber gut trocknen lassen. Danach das Sieb noch einmal gegen das Licht halten und prüfen, ob noch irgendwo kleine Löcher oder offene Stellen sind. Dort ggf. eine weitere Schicht Kleber auftragen.

Mit dem gebastelten Sieb drucken

Zum Drucken auf Papier kann man normale Acrylfarbe verwenden. Wer auf Stoff drucken will, nimmt Stoffmalfarbe. Das Schöne am Siebdruck: Er funktioniert auf jedem ebenen Untergrund.

Material für Druck: Farbe (Acryl), ein Stück feste Pappe, Maskingtape

Damit am Rand keine Farbe durchläuft, rings um das Motiv Maskingtape aufkleben.

Durckvorbereitung_klein

Die Farbe sollte sich gut verteilen lassen, ist sie zu fest, einfach mit ein wenig Wasser verrühren.

Das Drucksieb auf ein Stück Papier legen (oder auf das Material, das ihr bedrucken wollt).
Eine kleine Menge Farbe als Streifen oberhalb eures Motivs auf dem Sieb verteilen. Das Stück Pappe funktioniert nun als Rakel. Ihr setzt es oberhalb der Farbe auf den Stoff auf und zieht dann mit gleichmäßigem, leichten Druck den Pappstreifen zu euch hin. Dabei drückt ihr die Farbe durch die offenen Stellen des „Siebs“ und erzeugt so einen Abdruck. Eventuell müsst ihr den Vorgang noch ein, zwei Mal wiederholen, bis das komplette Bild gedruckt ist. In diesem Fall zieht ihr die Farbe, die nun am unteren Ende des Motivs ist, mit dem Papprakel wieder nach oben usw.

Ich wollte mein Motiv als Muster auf ein Stück Kraftpapier drucken. Dafür habe ich mir vorher mit Bleistift ein Raster eingezeichnet und das Drucksieb immer wieder aufgelegt und mit dem Papprakel gedruckt, neu aufgelegt, wieder gedruckt …

Geschenkpapier bedruckt_klein

Als ich fertig war, habe ich mein Drucksieb ganz vorsichtig mit kaltem Wasser ausgespült. Theoretisch kann man es nun erneut verwenden. Man muss dann nur neues Maskintape aufkleben.

Es funktioniert also tatsächlich! Natürlich ist es nicht mit dem Ergebnis eines echten Siebdrucks zu vergleichen. Dort bekommt man viel klarere Konturen und kann auch sehr detaillierte Muster und Motive umsetzen. Normalerweise steht so ein Druckgewebe auch viel stärker unter Spannung. Aber zum Experimentieren und Ausprobieren ist diese Impro-Version tatsächlich geeignet. Und ich war vom Ergebnis überrascht.

Mein Geschenkpapierbogen kam dann nach dem Trocknen auch gleich zum Einsatz.
Siebdruck Geschenkpapier_klein

Gar nicht schlecht für eine Strumpfhose, oder?

Kreative Grüße
Anne

 

 

 

Rhabarberliebe trifft Cheesecake-Törtchen

Endlich wieder Kuchen! Nach meiner Süßspeisen-Pause während der Fastenzeit (ich habe übrigens durchgehalten) muss an den Wochenenden nun unbedingt wieder Kuchen her. Das wiederum ist ein guter Vorwand, um neue Rezepte und Geschmackskombinationen zu testen. Da gerade Rhabarber das Obst/Gemüse (was ist es jetzt eigentlich?) der Saison ist, war eine Zutat schon mal ziemlich naheliegend.

Meistens kaufe ich genau einen Bund Rhabarber im Jahr. Das ist für meine Bedürfnisse mehr als ausreichend und davon friere ich sogar noch einen Teil ein. Aber nachdem ich diese Törtchen probiert habe, bin ich mir nicht sicher, ob der Rhabarberkonsum in diesem Jahr nicht doch ansteigen wird …

Rhabarber Cheescake Tarte2_klein

Die treffen aber auch so ganz genau meinen Geschmack. Der Boden ist aus süßem Mürbeteig, die Füllung ist eine fruchtige Käsekuchenmasse, die Kombination aus beidem der Hammer.
Und da Rhabarber alleine vielleicht etwas langweilig wäre, gesellen sich Himbeeren und Limette dazu.

Voilà: Rhabarber-Himbeer-Cheesecake-Tartelettes
(Ich finde ja, dieser Name ist absolut einprägsam :-))

Rhabarber Cheescake Tarte3_klein

Die Zutaten reichen ziemlich genau für 4 Tartelettes mit einem Durchmesse von ca. 12 cm.

Für den Mürbeteig:

100 g Mehl
110 g Zucker
50 g Butter
2 EL Milch
1 Prise Salz

Mehl, Zucker und Salz mischen. Die Butter in Flöckchen mit der Milch dazugeben und alles zu einem glatten Teig verkneten. Teig zur Kugel formen, in Folie einschlagen und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. In der Zwischenzeit die Füllung vorbereiten.

Für die Füllung:

150 g Rhabarber + 1 Stange für die Deko
3 EL TK-Himbeeren
Saft einer halben Limette
1 Ei
150 g Quark
80 g saure Sahne
1 EL Stärke
25 g Zucker
1 Pk. Vanillezucker

Rhabarber putzen und in ca. 1 cm große Stücke schneiden. Eine Stange als Deko zurückbehalten. Mit den Himbeeren und dem Vanillezucker in einen Topf geben. So viel Wasser zugeben, bis der Boden gerade bedeckt ist. Rhabarber köcheln lassen, bis er zerfällt. Abkühlen lassen.
Quark, Ei, saure Sahne, Stärke und Zucker zu einer cremigen Masse vermischen. Limettensaft unterrühren und Rhabarbermus zugeben (falls es zu flüssig geworden ist, kurz in einem Sieb abtropfen lassen). Ofen auf 180 ° Ober-/Unterhitze vorheizen.
Mürbeteig aus dem Kühlschrank nehmen, kurz durchkneten und dünn ausrollen. Kreise ausstechen und in die Tartelette-Förmchen geben, sodass Boden und Rand bedeckt sind. Die Rhabarber-Käsemasse auf die Förmchen verteilen.
Wer mag, schneidet aus der übrigen Rhabarberstange noch Scheibchen oder Streifen und legt sie als Deko auf die Törtchen.
Im Ofen ca. 25 Minuten backen, bis die Käsemasse gestockt ist (Stäbchenprobe).

Rhabarber Cheescake Tarte4_klein

 

Die perfekten Törtchen fürs Wochenende. Und für alle anderen Tage auch.

Liebe Grüße
Anne

Ein Hochbeet für den Balkon

Der kleine Garten rings um unser Haus hat ein paar … nun ja … spezielle Eigenschaften. Erstaunliche Höhenunterschiede, seltsame Bodenbeschaffenheit, suboptimale Verteilung von Licht und Schatten. In den fast zwei Jahren, in denen wir hier wohnen, ist er mir aber trotzdem sehr ans Herz gewachsen und ich taste mich stetig voran und probiere, was geht und was nicht. Azaleen und Rhododendren gehen zum Beispiel ganz wunderbar. Von Anfang an war aber klar, das eine Sache nicht wirklich geht: Gemüse.
So ganz wollte ich mich aber nicht geschlagen geben, denn eine Stelle haben wir doch, die sich sonnentechnisch wirklich gut eignen würde: Es ist unser Balkon.

Nachdem ich den Mann im vergangenen Jahr mit Experimenten in Blumenkästen und Töpfen diverser Größen etwas strapaziert hatte (Der Balkon war leider schon mit Gurken, Radieschen, Erdbeeren, Paprika etc. vollgestellt, da kann man sich nicht auch noch hinsetzen …), wollte ich das in diesem Jahr etwas strategischer angehen. Ich hatte mir gedacht, dass ein Hochbeet doch eine prima Lösung wäre. Bei Recherchen stellte sich allerdings schnell heraus, dass Größe ein echtes Problem ist. Klassische Hochbeete sind zu groß für meinen Balkon (außerdem sollte die Erde auch nicht direkt auf den Balkonplatten liegen) und balkongerechte „Beete“ waren mir entweder zu klein oder nicht tief genug. Ich war kurz davor, mir mein optimales Hochbeet von Grund auf selbst zusammenzuschrauben (wäre aber damit wahrscheinlich erst im Herbst fertig geworden). Dann habe ich einen Blumenkasten bei ikea gefunden und den kurzerhand zum kleinen Hochbeet umfunktioniert, quasi ein ikea-Hack. Und da das ziemlich gut geklappt hat (und dieses System ein paar Vorzüge hat – u.a. den Preis), zeige ich euch das einfach mal.

Material:

Blumenkasten Askholmen
Teichfolie (0,5 m bei 2 m Länge)
Klebstoff für Plastik
Erde

Hochbeet Collage

Die Bodenplatte des Blumenkastens habe ich nach ganz unten verlegt. Dann habe ich eine lange Bahn aus der Teichfolie zurechtgeschnitten und zwei kürzere. Die Kanten der Seitenbahnen habe ich mit dem Plastik-Klebstoff auf die lange Folienbahn geklebt (unbedingt im Freien machen, sonst vernebelt einem der Klebstoffdunst das Hirn). Das soll nur halten, es muss nicht komplett dicht abgeklebt werden (wir wollen ja schließlich keinen Teich bauen).
Zum Schluss habe ich noch die oberen Kanten passend zugeschnitten und auf den Holzrahmen geklebt.

Damit auch bei starkem Regen kein Teich aus meinem Minibeet wird, habe ich kurzerhand noch kleine Löcher in die Bodenplane gepiekt, damit das Wasser ablaufen kann.

Nun muss natürlich noch Erde ins Beet. Und es passt erstaunlich viel Erde hinein. Ich hätte das natürlich vorher ausrechnen können, aber ich wollte nicht :-)
Als unterste Schicht habe ich eine Lage Laub in den Kasten gelegt (das kann verrotten und noch als Dünger dienen). Anschließend habe ich richtig gute Spezialerde für Gemüse mit nicht ganz so guter (dafür deutlich günstigerer) Blumenerde gemischt und alles eingefüllt. Der Profi wartet anschließend ein paar Tage, bis sich die Erde gesetzt hat. Der Ungeduldige (=ich) pflanzt dann direkt drauf los und nimmt in Kauf, dass alles noch etwas nach unten absackt.

Hochbeet aktuell_klein

Ich habe also gleich eine Reihe Möhren ausgesät, zwei Salatpflänzchen gepflanzt und noch ein paar Zwiebeln gesät. Bis dato funktioniert alles wunderbar. Die Möhren haben bereits gekeimt, die Zwiebeln sind kurz davor und vom Salat habe ich sogar schon was geerntet. Ob an dem Gemüse dann tatsächlich mehr dran ist also nur Kraut, wird sich zeigen. Ein Problem habe ich im Balkongarten jedenfalls definitiv nicht: gefräßige Nacktschnecken.

Man kann den Blumenkasten übrigens auch als Parkplatz für bepflanzte Töpfe und Balkonkästen vom Vorjahr nutzen …

Hochbeet4_klein

Ich bin mit meiner Lösung bis jetzt wirklich zufrieden. Wenn sich dann auch noch Gemüse ernten lässt, werde ich im nächsten Frühjahr wahrscheinlich noch ein weiteres Minibeet installieren.

Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass meine Minibeete sogar zum „Square Foot Gardening“ passen. Der Kasten enthält quasi zwei „Square Foot“-Felder in Übergröße.
(Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen will: Ich habe auf einem Pinterest-Board einige Ideen und Bilder rund ums Thema gesammelt).

Während ich nun also warte, was im Hochbeet auf dem Balkon so passiert, buddel ich mich weiter durch den „richtigen“ Garten. Da wächst zwar keine Gemüse, aber dafür blüht es gerade überall.

Liebe Grüße

Anne