Südengland. Siebeneinhalb Argumente für eine Reise auf die Insel

Im Juni habe ich hier durch Abwesenheit geglänzt. Die Blogpause war eigentlich gar nicht geplant, hat sich langsam eingeschlichten und dann hab ich sie einfach laufen lassen. Aus Gründen. Ich hatte nämlich Urlaub und war auf Reisen. Jetzt bin ich wieder da mit einer Speicherkarte voller Fotos und einem Kopf voller Eindrücke.

Südengland stand schon lange auf der imaginären Reiseplanungsliste und dieses Jahr haben wir Nägel mit Köpfen gemacht. Zwei Wochen, einmal quer über die Insel. Es war toll. Und das hat nur ein ganz kleines bisschen mit Rosamunde-Pilcher-Filmpanoramen zu tun. Meine Top 7,5 Argumente, die für eine Reise sprechen (falls ihr nach Argumenten suchen solltet), sind diese hier:

Gärten

Kein Geheimnis, aber die Briten pflegen ein besonderes Verhältnis zu Gärten und davon kann man sich nur begeistern lassen. Man könnte durch ganz Südengland reisen und dabei immer nur von einem Garten zum nächsten pilgern. Herrenhäuser, Burgen, Parkanlange – man kommt gar nicht an deren Gärten vorbei. Im Hinblick auf Landschaftsarchitektur, Gartengestaltung und „Oh, wie schön“-Faktor spielen sie alle ganz weit vorn mit.

Garten Walden_web

Walmer Castle

Mein Lieblings-Gartenmoment war ein Sonntagvormittag im Bishop’s Palace Garden in Wells. In Ruhe durch die Anlage spazieren, die Blumen bewundern, immer wieder Blicke auf die Kathedrale nebenan erhaschen und die Glocken läuten hören. Entspannter kann’s nicht sein.

Garten Wells_web

Kleiner Wermutstropfen: Der Eintritt ist meistens nicht besonders günstig. Wer mehrere Gärten ansehen will, der sollte schon vor der Reise einen Pass beim National Trust kaufen. Damit kann man innerhalb eines bestimmten Zeitraums so viele Anlagen besuchen, wie man will.
Wenn man Glück hat, findet sogar ein Country Garden Festival statt. Da habe ich mich natürlich nicht zweimal bitten lassen.
country garden festival_web

Meerblick

Bei mir ist das fast ein Automatismus: Ich schaue aufs Meer und mein Hirn ruft „Juhu, Urlaub!“.

Fowey Cornwall

Fowey Cornwall

Wegweiser Deal

Meerblick hat man in Südengland zwangsläufig immer wieder. Ganz unterschiedliche Küstenarten ziehen den Blick in die Ferne. Mancherorts sind es imposante Klippen und Steilküsten.

Tintagle Cornwall

Tintagle Cornwall

An anderen Stellen geht es mit Kieselstränden und Buchten gemächlicher zu.

Boote in WhitstableDazu kommen putzige Strandhäuschen und laaange Küstenwanderwege.

Strandhäuser Whitstable

Strandhäuser Whitstable

Ach ja, und Möwen natürlich.
Möwen auf Strandhaus

Berühmte Sehenswürdigkeiten

Gibt es in Südengland auch. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich mir diese hier eigentlich gar nicht anschauen (ist ja nicht so, als hätte man sie nicht schon x-mal irgendwo gesehen). Aber dann hat uns unsere Route direkt daran vorbeigeführt. Und irgendwie kann man ja auch nicht daran vorbeifahren und nicht hingehen, oder? Die Rede ist von Stonehenge.

Stonehenge
Was ich bisher nicht wusste: Es führt eine normale Landstraße recht nah daran vorbei. Da dort fast immer Stau ist, hat man alle Ruhe, sich den Steinkreis anzuschauen. Man kann aber natürlich auch näher ran. Spannender als die Steine sind fast die Menschenmassen, die sich darum versammeln.

Kuh mit Stonehenge_web

Im Vordergrund Kuh, im Hintergrund Stonehenge.

Vom 2 km entfernten Visitor-Center fährt übrigens auch ein Bus bis zu den Steinen. Man kann aber auch zu Fuß gehen. Dann trifft man eventuell auf diese vom Rummel völlig unbeeindruckte Kuh.

Mythen und Legenden

Fügt sich quasi nahtlos an den vorherigen Punkt an. Wenn man durch Südengland reist, begegnet einem auch folgende Persönlichkeit immer wieder:

Arthus Tintagle_web

König Arthus. Sein Geburtsort, sein Grab, sein zeitweiliger Wohnsitz … kann man alles besuchen. Theoretisch jedenfalls. Praktisch lässt sich kaum nachweisen, wo der Mythos anfängt und wo die Geschichtsschreibung aufhört. Manches könnte auch einfach ein cleverer, mittelalterlicher PR-Coup gewesen sein. Ist aber egal, es macht trotzdem Spaß, sich z.B. in Tintagel oder Glastonbury umzusehen.

Glastonbury Tor_web

Alte Steine

Man muss es mögen. Ich mag es sehr: alte Steine anschauen. Bei der bewegten Geschichte der Insel stolpert man eigentlich an jeder Ecke über Burgen, Ruinen, Klöster, Kathedralen, Forts und was weiß ich, die man sich alle anschauen kann.

Okehampton Castle_webCathedral_webPostamt Tintagle_webNach Herzenslust in der Geschichte herumstöbern geht ganz nebenbei. Auch hier lohnt sich es sich, vor der Reise einen Visitor Pass auf der Seite des English Heritage Verbandes zu kaufen. Dort sind nämlich die Eintrittspreise für z.B. Stonehenge oder Dover Castle schon enthalten.

Es ist so britisch

In Südengland jetzt nicht wirklich eine große Überraschung. Aber ich liebe diesen Mix aus ein bisschen Nostalgie, einer Prise Schrulligkeit und unerschütterlicher Höflichkeit. Wo sonst stehen die Menschen an der Bushaltestelle zur Rush Hour in einer gleichmäßigen Schlange an? Wo sonst wird jede banale Bestellung („Ich hätte gern Kaffee zum Frühstück“) mit Ausrufen wie „Lovely“ oder „Excellent“ kommentiert? Und ich vermisse Cream Tea mit Scones und Clotted Cream. Dafür das englische Frühstück eher weniger.

Taxi_web

Kricket_web

Ich war ganz kurz davor zu fragen, ob ich mitspielen darf. Leider war ich nicht weiß gekleidet.

Buchladen_web

Telefonzelle_web

Geht es noch britischer? Ein alter Turm und eine Telefonzelle.

*Dr Who

Das lassen wahrscheinlich nicht viele als Argument gelten, aber trotzdem muss das jetzt sein. Obwohl ich mich anfangs dagegen gesträubt habe, hat sich bei mir innerhalb des letzten Jahres eine schleichende Begeisterung für die BBC-Fernsehserie Dr Who entwickelt. Logischerweise begegnet man ihr bzw. den Protagonisten in Großbritannien häufiger als bei uns und findet klassische Motive und Witze schon mal auf Grußkarten oder im Zeitschriftenständer wieder. Regelrecht entzückt war ich jedoch, als ich vor einem Antiquitätengeschäft in Portsmouth eine TARDIS stehen sah (es könnte sogar sein, dass ich ein kleines Begeisterungstänzchen aufgeführt und ein Selfie gemacht habe. Beides selbstverständlich nicht im Bild). Ob sie innen größer ist als außen, kann ich nicht sagen, sie ging leider nicht auf.

Tardis_web

Südengland-Bonus: Man kann mit dem eigenen Auto anreisen. Und das funktioniert sogar gut.

Gepäcktechnisch ein echtes Argument. Vor allem, wenn man länger unterwegs ist. Wir haben unsere Reise via Eurotunnel angetreten und die 5-Länder-in-5-Stunden-Nummer durchgezogen. So lange hat es nämlich auf der Hinreise gedauert, bis wir vom Ruhrgebiet aus in Dover ankamen (ohne Stau und in bestmöglicher Zeit auf den Autozug und ab die Post unter dem Ärmelkanal durch – die Rückfahrt lief leider nicht ganz so geschmeidig).
Spaßige Momente bei der Ankunft: Wie schnell darf man eigentlich fahren bei 40 miles per hour? Ein Spickzettel am Armaturenbrett hilft über die ersten Tage. Linksverkehr geht übrigens auch, man sollte bei einem nichtbritischen Wagen nur einen aktiven Beifahrer mitnehmen.

Falls ihr also selbst schon überlegt habt, dem südlichen Teil der britischen Inseln einen Besuch abzustatten, habt ihr jetzt noch ein paar Argumente mehr dafür. Und wenn ihr schon dort wart: Was heut euch nachdrücklich begeistert?
Wo uns unsere Reiseroute entlanggeführt hat und welches meine persönlichen Highlights waren, verrate ich euch in einem anderen Post.

Viele Grüße nun wieder aus dem Alltag
Anne

 

 

 

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